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Therapie einer besonderen Begabung. Der Durchbruch in der Legastheniebehandlung mit der Davis-Methode und kognitiven Verhaltensprogramme für POS, ADD, ADS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Verantwortung übergeben statt verwöhnen

Die Davis®-Methode stellt an alle Beteiligten höchste Anforderungen. Nicht nur Klient und Berater sind in gefordert, sondern vor allem das Team oder die Person, die den Legastheniker in seiner häuslichen Korrekturarbeit begleitet.

Vielfach haben Kinder, die eine Lernbehinderung zeigen, eine frühe Kindheit verlebt, die nicht ohne Probleme verlaufen ist. Sie sind entlastet, bevorzugt, aber auch gehänselt worden. Auf diese Behandlung haben sie gelernt auf eine Art zu reagieren, die ihnen hilfreich erschien, mit den Unbilden des Lebens umzugehen. Denn um die eigenen Mängel nicht schmerzhaft erleben zu müssen, werden sie so handeln, wie sie zu handeln gelernt haben: z. B. keine Fehler machen, und deshalb nichts wagen; auf die andern hoffen, die ihnen das Terrain ebnen; Verantwortung abgeben und die anderen Menschen, d.h. die nächsten Angehörigen, einspannen - zwar nicht bewusst, sondern in höchster Not, aber dennoch aktiv und zielgerichtet. So haben sie einen Lebensstil erworben, mit dem sie dann durchs Leben gehen. Später allerdings werden solche «alten Lösungen», wie Ron Davis sie nennt, zu einem starken Hemmnis und Hindernis, wenn es darum geht, sich weiterzuentwickeln und den eigenen Lebensstil zu korrigieren.

Den Eltern, die ihr Kind in die Legastheniekorrektur schicken, um ihnen ein Höchstmass an effektiver Hilfe zukommen zu lassen und auch die finanziellen Konsequenzen zu tragen bereit sind, steht die eigentliche Arbeit mit ihrem Kind erst bevor, wenn der Basiskurs oder Teile davon abgeschlossen sind. Nun ist die Arbeit des Klienten zu Hause gefordert. Die Erzieher werden jetzt von ihren Kindern bis aufs Blut «getestet».

In der Behandlung haben sie Begriffe mit Knet bearbeitet, sich Bilder geschaffen, um das Unverstandene in ihr Leben zu integrieren. Die Berater haben mit Wissen, Rat und Tat zur Seite gestanden, aber sie haben einen Vorteil: Sie sind nicht die Eltern. Während der vier bis sechs Tage hat sich kein so starkes Beziehungsmuster eingespielt, wie es in den Eltern-Kind-Beziehungen zu Hause vorkommt.

Eltern, die während der Behandlung anwesend sind, sind Zuschauer oder Mitspieler, aber leiten nicht an. Dennoch fordern die Sprösslinge nach «bewährtem» Familienmuster das aktive Mittun (meist) der Mutter. «Bring mir, hol mir . . .» Ziel der Arbeit aber ist es immer, dass der Klient beginnt, selbständig zu arbeiten und die Hilfe zu erbitten, wenn sie nötig ist.

Zu hause sieht es dann oft anders aus. Die Eltern nehmen dem Kind die Initiative aus der Hand («Hast Du schon Deine Übungen gemacht . . .?»). Dann ist es nicht mehr die Sache des Kindes, sondern die der Eltern. Sie sind besorgt und übernehmen die Verantwortung für das Lernen und Üben des Kindes. Oder aber Verwöhnung und Strenge sind die Erziehungsmuster, die die Stimmung zu hause verfinstern, Spannungen zwischen Erwachsenen und Kindern provozieren und die Legastheniekorrektur verunmöglichen.

Hier ist allen Erziehern, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen wollen, das vorliegende Buch «Liebe statt verwöhnen» von Monika Hoffman-Kunz* ein ausgezeichneter Ratgeber und Helfer.

Die Autorin, eine erfahrene Erzieherin und Psychologin, gibt mit diesem Taschenbuch Einblick in einen weiten Bereich der Erziehung, der gewöhnlich nur sehr einseitig betrachtet wird: die Verwöhnung. Vom Blickwinkel der Individualpsychologie legt sie den Blick frei für einen Erziehungsstil, dessen Opfer ebenso lebensuntüchtig wie tyrannisch zu werden pflegen. In Stellungnahmen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis ins hohe Alter wird deutlich, welch verheerende Wirkung eine verwöhnende und verzärtelnde Erziehung hat, und welches Leid ein Mensch erlebt, der sich nicht imstande fühlt, selbständig sein Leben in die Hand zu nehmen.

Zudem wird deutlich, dass wir Eltern unseren Kindern nur so viel Freude, soziales Mitgefühl, Freundlichkeit und Mut mitgeben können, wie wir selbst empfinden, und dass wir anderseits ihnen auch Angst, Wut, Mutlosigkeit und Nervosität unbewusst weitergeben. Damit ist das Büchlein auch geeignet, die eigenen Gefühle zu betrachten und zu sehen: «Wo ist mein Blick blockiert und wo sehe ich mehr mich als mein Kind, dem ich helfen und das ich mit all meiner Kraft unterstützen möchte?»

* Hoffman-Kunz, Monika. Liebe statt verwöhnen. Herder Spektrum 4323, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1997, ISBN 3-451-0423-8, Fr. 14.80

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